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Diese acht Pflanzen schlucken dein Herbstlaub

Wenn du naturnah gärtnern möchtest, kannst du das allherbstliche Falllaub in deinen Beeten liegen lassen. Das ist gut für viele hilfreiche Insekten wie den Marienkäfer, die kommen dann nämlich besser durch den Winter. Aussehen tut das Laub allerdings nicht so gut. Problemlöser in diesem Fall sind sogenannte Laubschlucker – dekorative Bodendecker. Unter ihren Blättern verschwindet das Laub und kann in aller Ruhe zu wertvollem Humus werden. Wir stellen dir welche vor.

Mühsame Herbstarbeit: Laub harken | Foto: fotolia.com/Kathrin39

Mühsame Herbstarbeit: Laub harken | Foto: fotolia.com/Kathrin39

 

Das Laubharken unter Bäumen ist weder jedermanns Sache, noch besonders ökologisch. Dabei ist Herbstlaub ein wertvoller Rohstoff der Natur und statt ihn zu verschwenden, können wir ihn nutzen für unseren Boden. Ein Milliardenheer von Klein­tieren und Mikroben zerlegt und recycelt es. Am Ende entstehen Humus und pflanzenverfügbare Mineralien, die den Untergrund ganz enorm verbessern.

Laubschlucker – die hilfreichen Acht

Andererseits kann eine dichte Laubdecke Rasen und empfindliche Pflanzen ersticken. Sehr praktisch ist es daher, wenn das herabfallende Laub unter einer dekorativen Pflanzendecke problemlos verschwindet und den Pflanzen dann direkt als Nahrung dient. Dafür sind Bodendecker ideal, also Pflanzen, die mit ihren Blättern den Boden blickdicht bedecken und Unkräuter nicht hochkommen lassen. Sollen sie immergrün sein, gut aussehen und vielleicht noch schön blühen, sind nur einige wenige Arten gut geeignet.


1. Wachstumsstark: das Efeu

Efeu begräbt alles unter sich, nicht nur Laub © Wikipedia | Ram-Man

Efeu begräbt alles unter sich, nicht nur Laub © Wikipedia | Ram-Man

Der wohl bekannteste Bodendecker ist Efeu (Hedera helix). Mit seinem dichten, wintergrünen Blattwerk breitet er sich nach dem mitunter etwas mühsamen Anwachsen im Laufe der Jahre immer weiter aus. Auch größere Flächen und sogar dunkle Stellen, an denen sonst nichts gedeihen will, sind für das robuste und pflegeleichte Gehölz kein Problem. Vom Efeu gibt es viele schöne Zierformen mit hübsch gezeichneten Blättern in Grün, Bronze und Grün-Weiß, die auch gern in die Höhe klimmen und Bäume oder Mauern malerisch überwallen.

 

2. Schmuckstück: der Kriechspindelstrauch

Kriechspindeln mit zweifarbigen Laub hellen alle dunklen Ecken auf © Wikipedia | Emok Dennis

Kriechspindeln mit zweifarbigen Laub hellen alle dunklen Ecken auf © Wikipedia | Emok Dennis

Eine gute Alternative dazu ist der Kriechspindelstrauch (Euonymus fortunei). Er kann ebenfalls dauerhaft Flächen bedecken, sowohl kletternd als auch auf dem Boden kriechend. Schneidet man die Triebe auf die gewünschte Höhe zurück (ca. 25–30 cm), werden die gelb-grün gefleckten (panaschierten) Sorten wie ‘Emerald ’n’ Gold’ oder die grün-weiß gefleckte ‘Emerald Gaiety’ zum Schmuckstück, das sich rund ums Jahr vorteilhaft präsentiert, jedes „Unkraut“ zuverlässig unterdrückt und im Herbst das Laub aufnimmt.

Zwergmispel: Im Herbst extra hübsch mit Beeren und schöner Blattfärbung © Wikipedia | Hectonichus

Zwergmispel: Im Herbst extra hübsch mit Beeren und schöner Blattfärbung © Wikipedia | Hectonichus

3. Robust: die Zwergmispel

Auch die Zwergmispel (Cotoneaster dammeri) hat hervorragende Eigenschaften wie Winterhärte, Robustheit an allen sonnigen und halbschattigen Standorten, hübsche weiße Blüten im Mai und leuchtend rote Früchte im Herbst. Das Gehölz galt damit als Bodendecker lange Jahre als Favorit. Der Wunsch nach mehr Vielfalt im Garten hat nun aber die vielen anderen Pflanzenarten stärker ins Spiel gebracht. Zwergmispeln schmiegen sich dem Boden an und bedecken ihn nach einiger Zeit dicht mit ihren dunkelgrünen Blättchen.

Dickmännchen, nicht superhübsch, aber höchst effektiv beim Verschlucken von Laub © Wikipedia | Kenpei

Dickmännchen, nicht superhübsch, aber höchst effektiv beim Verschlucken von Laub © Wikipedia | Kenpei

4. Unscheinbar: Das Dickmännchen

Weniger bekannt ist das Dickmännchen (Pachysandra terminalis). Es blüht wenig auffällig mit weißen, versteckten Blüten im zeitigen Frühling, bewährt sich dafür aber als besonders guter Laubschlucker. Selbst größere Laubmengen von Ahorn, Kastanien oder Eichen rieseln zwischen die Blätter, die auf rund 15 cm langen Stielen stehen, und bilden bald eine nahrhafte Mulchschicht.

 

Immergrün webt blaue Blütenteppiche © Wikipedia | Jina Lee

Immergrün webt blaue Blütenteppiche © Wikipedia | Jina Lee

5. Blüten wie ein Sommerhimmel: das Immergrün

Einige Bodendecker können neben schönen dunkelgrünen Blättern auch noch mit farbenfrohen Blüten punkten. Immergrün (Vinca minor) zum Beispiel eignet sich gut für schattige Lagen unter Sträuchern oder Bäumen und ziert sich ab dem zeitigen Frühjahr mit äußerst attraktiven himmelblauen Blüten. Die robuste Staude ist in den Alpen heimisch. Es gibt auch Sorten mit weißen Blüten. Die langen Triebe verweben sich allmählich und bilden eine dichte, ca. 20 cm hohe Pflanzendecke, die sich auch für sommertrockene Gehölzbereiche und für Naturgärten eignet.

Großblütiges Immergrün (Vinca major) wächst mit 30–40 cm Höhe lockerer, ist anfälliger gegen harte Winter, blüht aber sehr hübsch mit großen himmelblauen Blüten im Mai.

Wikipedia_Nova_Waldsteinia_

Goldbeeren strahlen selbst unter dunklen Tannen © Wikipedia | Nova

6. Angepasst: die Goldbeere

Die Golderdbeere (Waldsteinia ternata) ist der Favorit unter den Bodendeckern für gepflegte Ziergärten. Sie blüht anfangs üppig goldgelb im April/Mai, schließt aber schon im zweiten Jahr die Fläche so dicht, dass kaum noch Blüten erscheinen. Dafür bildet sich ein im Sommer wie im Winter grüner, 5–10 cm niedriger und edel wirkender Pflanzenteppich, der vor allem in kleine Gärten passt. Sowohl sonnige wie halbschattige und sogar vollschattige Gartensituationen sind geeignet.

Wer trotzdem jedes Jahr Blüten haben möchte: Die Schwesterart Waldsteinia geoides wächst horstiger, weniger als Teppich und schließt den Boden nicht so dicht. Dafür blüht sie üppig goldgelb auch in den Folgejahren.

Gemeine Goldnessel | Foto: fotolia.com

Gemeine Goldnessel | Foto: fotolia.com

7. Ausbreitend: die Goldnessel

Gut bodendeckend ist auch die silbrige Goldnessel (Lamiastrum argentatum). Sie sieht rund ums Jahr interessant aus mit ihrem hübsch silbrig gezeichneten Laub, besonders aber im Frühling und Sommer. Im Mai blüht sie reichlich mit gelben Blüten, kann mit langen Schleppen herabhängen und ist eine ideale Pflanze für größere Gärten, aber nur wenn sie sich ungestört ausbreiten darf. In beengten Verhältnissen kann ihr Wuchern störend sein

8. Zuletzt unser Favorit: der Storchschnabel

Storchschnabel gehört zu Dauerblühern am Boden © Wikipedia | Kenpei

Storchschnabel gehört zu Dauerblühern am Boden © Wikipedia | Kenpei

Eine wahre Augenweide sind einige Arten des Storchschnabels. Der Balkanstorchschnabel (Geranium macrorrhizum ‘Spessart’) zum Beispiel blüht im Mai romantisch mit zartrosa Blüten und aromatisch duftenden Blättern. Die robuste, widerstandsfähige Staude ist für sonnige und halbschattige Stellen ideal, denn sie hält selbst großen Wurzeldruck unter Bäumen wie Ahorn, Eichen oder Birken aus und schluckt auch deren Laub.

Blauer Storchschnabel blüht vom Mai bis zum Frost durch © Wikipedia | Huhu

Blauer Storchschnabel blüht vom Mai bis zum Frost durch © Wikipedia | Huhu

Der Storchschnabel hat noch einen großen Vorteil: Er wird nicht von Schnecken befallen. Bei den Storchschnäbeln gibt es genügend Auswahl, zum Beispiel das immergrüne zartrosa Geranium x cantabrigiense ‘Biokovo’, die nur im Sommer mit grünem Laub zierende kirschrosa blühende Sorte ‘Ingwersen’ oder die niedrige Sorte ‘Berggarten’ mit purpurrosa Blüten und intensiv roter Herbstfärbung. Unsere Favoritin heißt aber Geranium ‚Rozanne‘, ein absolutes Blühwunder. Von Mai bis zum Frost erscheinen unzählige violettblaue Blüten mit weißem Auge. Die wunderschöne Pflanze breitet sich ganz lässig über dem Boden aus und füllt einen Quadratmeter pro Pflanze.

Praxis: So legst du dein Laubschlucker-Beet an

Günstige Pflanzzeiten für bodenbedeckende Stauden und Gehölze sind der Herbst von August bis November und das zeitige Frühjahr. Da die Pflanzen meist über viele Jahre auf der gleichen Fläche bleiben und dann kaum eine Bodenbearbeitung zulassen, ist eine gründliche Vorbereitung besonders wichtig. Vor dem Pflanzen sollten Wurzelunkräuter wie Disteln oder Quecke sorgfältig entfernt werden. Reicher schlechten Boden mit durchlässiger, humusreicher Erde an und lockere ihn tiefgründig mit einem Spaten. Da sich die Bodendecker mit den Jahren gut ausbreiten, sollten sie nicht zu dicht gepflanzt werden.

Zugucken beim Wachsen

Im Prinzip kann man Flächen mit bodendeckenden Pflanzen viele Jahre ruhig sich selbst überlassen. Der Aufwand an Pflege ist sehr gering. Wird dir der Wuchs zu üppig, kannst du ihn etwas eindämmen. Kriechende oder flache Gehölze sollten jedoch nur dann geschnitten werden, wenn sie über die vorgesehene Fläche hinausragen. Wird die Fläche bei Stauden langsam lückenhaft, kannst du alte Pflanzen im Frühjahr mit dem Spaten teilen, das regt das Wachstum an und bringt den Pflanzen neuen Schwung. Im Frühjahr und im Herbst tut eine Düngergabe mit etwas Kompost und einer handvoll Hornspäne gut.

Einfacher geht’s nicht

Laubschlucker, die mit ihren Blättern den Boden dicht bedecken, bieten noch weitere Vorteile. Denn eine Pflanzendecke schützt den Boden: Sie verhindert übermäßiges Austrocknen, hält den Boden luftig und den Winter über deutlich wärmer als kahle Flächen. Den Kleinlebewesen und Mikroben bekommt das gut, sie können hier das Laub und andere Pflanzenrückstände ungestört zu Humus verarbeiten. Auch für den Menschen sind solche Flächen erfahrungsgemäß pflegeleicht. Unkraut hat es zwischen dem dichten Blattwerk sehr schwer, sich zu behaupten. Das fehlende Licht lässt es deutlich schlechter keimen, und wenn es denn mal hochkommt, kann man es über den Blättern leicht herausziehen. Ansonsten sind bodendeckende Pflanzen meist auch sehr genügsam und wenig arbeitsintensiv. Einmal gepflanzt, breiten sie sich schnell aus und müssen nur ab und an im Zaum gehalten werden.

Blumenzwiebeln als tolle Ergänzung

Wer die immergrünen Pflanzenteppiche als langweilig empfindet, kann ideal mit Zwiebelblumen für muntere Farbtupfer sorgen. Besonders gut geeignet sind Frühlingsblüher wie Narzissen, blaue Waldhyazinthen oder anspruchslose Wildtulpensorten. Zwischen den Bodendeckern finden sie ein ungestörtes Areal zum Verwildern. Nach der Blüte können Blätter und Blattstiele in Ruhe abreifen und bringen so mit den Jahren immer schönere und üppigere Blüten hervor. Im Sommer beleben Lilien, wie zum Beispiel die duftenden Asiatischen Lilien oder Orientlilien, mit ihren riesigen, exotisch gezeichneten Blüten selbst Flächen, die unter dem Schatten der Bäume als schwierig gelten.

 

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