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Uromas Obst- und Gemüsesorten

Alte Obst- und Gemüsesorten haben heute wieder eine große Fangemeinde. Das ist nicht nur Nostalgie, sondern auch wichtig: Sie zu erhalten ist eine gute Investition in die Zukunft unserer Nutzpflanzenkultur.

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© Pixabay.com

Früher war alles besser! Wie oft bekommt man diese Ansicht (nicht nur) im Zusammenhang mit alten Obst- und Gemüsesorten zu hören. Da haben Erdbeeren, Tomaten und Salat noch richtig geschmeckt und waren nicht so hochgezüchtet und verweichlicht. War das so? Die objektive Antwort darauf lautet: Jein.

Holländische Wassertomate: Aussehen prima, null Geschmack

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Holländische Tomaten aus dem Gewächshaus schmeckten früher nach nichts. © Pixabay.com

Was den Geschmack betrifft, ist die Beobachtung wohl richtig. Lange Zeit haben die Züchter ihr Augenmerk eher auf gleichmäßige Reife, gleichmäßige Form sowie auf gute Lagerfähigkeit und Transporteigenschaften gelenkt. Bei häufig angebauten und gehandelten Nutzpflanzen blieb dabei das Aroma auf der Strecke, zumal die Früchte etwas vor der optimalen Reife geerntet werden. Negatives Musterbeispiel hierfür ist die Tomate, die sich als „holländisches Wassergemüse“ einen extrem schlechten Ruf einhandelte.

Das haben sich die Züchter zu Herzen genommen und selektieren – ausgerechnet in den Niederlanden – seit Jahren Gourmetsorten, die wieder ein gutes Aroma haben. Erfolgreich übrigens, auch wenn sich das Wassergemüse-Image immer noch hartnäckig hält.


An mehr Vielfalt müssen wir uns erst wieder gewöhnen

Die Sache mit dem Geschmack hat allerdings noch einen anderen Aspekt. Die heute häufigsten Apfelsorten weisen fast immer ‘Delicious’ und ‘Cox’ im Stammbaum auf. Daher ähneln sie sich mehr oder weniger im Aroma: Sie sind eher süß. Daran sind wir gewöhnt, und so muss ein Apfel eben schmecken. Wenn jemand dann erwartungsvoll in einen ‘Signe Tillisch’ oder in einen ‘Krügers Dickstiel’ beißt, kann er eine Enttäuschung erleben – nicht weil sie schlecht sind, sondern weil sie schlichtweg nicht den Erwartungen entsprechen.

Einsatz von Chemiekeule ist komplett out

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Sorte Topas wird häufig im Bioanbau genutzt © Wikipedia| Markus Hagenschleger

Auch dass alte Sorten robuster sind, ist nur die halbe Wahrheit. Eins der wichtigsten Zuchtziele ist die Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten und Schädlinge. Die Ergebnisse sind der schorfresistente und wenig mehltauanfällige, sehr leckere Apfel ‘Topaz’, der gern von Bio-Obstbauern gepflanzt wird, blattlausresistente Salate, mehltauresistente Stachelbeeren und braunfäuletolerante Tomaten. Die Spritze kann im Schuppen bleiben, und die Ernte fällt trotzdem zufriedenstellend aus – wenn das keine guten Voraussetzungen sind! Am Geschmack muss man hier und da allerdings noch arbeiten.

Regionaler Anbau heißt auch das typische Klima beachten

Viele Apfelsorten wird man nie auf Wochenmärkten finden. | Foto: phlora.de

Viele Apfelsorten wird man nie auf Wochenmärkten finden. | Foto: phlora.de

Das soll natürlich nicht heißen, dass Uromas Sorten grundsätzlich krank und schwächlich waren! Der ‘Seestermüher Zitronenapfel’ ist sehr robust gegenüber Schorf. Er ist Apfel des Jahres 2007 gewesen – für die Region Hamburg. Im Saarland dagegen hieß der Apfel 2007 ‘Harberts Renette’, der auch auf schweren Böden und in Gebirgslagen gesund bleibt. Das ist nur konsequent: Lokalsorten haben sich über Jahrzehnte hinweg an die regionalen klimatischen Bedingungen angepasst beziehungsweise sich durchgesetzt, weil sie dort eben besonders gut gedeihen. So gehört der ‘Altländer Pfannkuchenapfel’, wie der Name schon sagt, ins Alte Land bei Hamburg, wo er sehr robust ist, während er im Süden Deutschlands leicht Mehltau bekommt.

Bei Gemüse liegen die Dinge ähnlich: Es gibt Lokalsorten, deren Samen eher selten im ganzen Land erhältlich sind. Oft besteht käuflicher Samen aus F1-Hybriden, die man allerdings nicht grundsätzlich verdammen sollte. Spät schossender Spinat, fadenlose Busch- und Stangenbohnen, gegen Kohlhernie resistenter Weißkohl und mehltauresistente Zucchini sichern ein Erfolgserlebnis im eigenen Garten. Auf der anderen Seite sind solche Zuchtergebnisse nur möglich durch die genetische Vielfalt – die paradoxerweise durch die Konzentration auf wenige Sorten verlorengeht. Auch deshalb ist es für die Zukunft so wichtig, das pflanzliche Kulturgut als Ressource für die Züchtung zu erhalten.

Das können wir selbst tun

Hobbygärtner können dabei mithelfen, indem sie ebenfalls alte und in Vergessenheit geratenes Obst und Gemüse anbauen. Als Nebeneffekt erntet man allerhand, was es nicht auf dem Markt zu kaufen gibt. Das reicht von alten Arten wie der Busch- bohne ‘Hinrichs Riesen’ und der kurzen, süßen Frühmöhre ‘Duwicker’ bis hin zu Arten, die man heute fast gar nicht mehr kennt: Spargelsalat, Kapuzinererbse, Gartenmelde, Kerbelrübe, Guter Heinrich, Roter Meier, Postelein oder Topinambur.

Pastinaken_LogoBeim Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt (VEN) kannst du sogar eine Patenschaft übernehmen, das heißt eine bestimmte Sorte bis zur Samenreife kultivieren, um das Saatgut dann mit anderen Gartenfreunden zu teilen. Ausserdem findest du eine Saatgutliste online.

 

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