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Ist dein Garten wirklich gut für die Umwelt?

Gärten sind gut, klar! Aber reine Ziergärten können auch ökologisch ziemlich tot sein. Nur in einem naturnahen Garten fühlen sich Menschen, Pflanzen und Tiere gleichermaßen wohl und profitieren von einander. Wie sieht es mit deinem Garten aus? Ist er nur schön, oder auch gut für die Natur? Mache den Gartencheck!

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Heimische Pflanzen, wie der gewöhnliche Natternkopf machen Insekten glücklich © Pixabay.com

 

Wachsen bei dir heimische Pflanzen?

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Storchschnabel blüht unermüdlich bis zum Frost © Pixabay.com

Die meisten Gewächse im „normalen“ Garten werden wegen ihres Aussehens verwendet. Doch für die Natur ist Blume nicht gleich Blume: Es gibt Pflanzen, die für die heimische Tierwelt gut sind, weil sie Nahrung bieten, aber es gibt auch viele Exoten, die heimische Tiere nicht nutzen können. Eine bunte Mischung hingegen aus Stauden, Sommer- und Zwiebelblumen sowie Gehölzen mit Früchten ernährt Insekten und andere Tiere das ganze Jahr über.

Wer den Garten naturnah anlegen möchte, muss sich um die Bedürfnisse der tierischen Bewohner kümmern.

Entscheidend bei der Auswahl der ­Blumen ist daher, dass die Blüten nicht „gefüllt blühend“ sind. Viele großblumige Züchtungen warten zwar mit üppigstem Blütenflor auf, doch was für das menschliche Auge schön ist, lässt Insekten völlig kalt. Ihnen geht es allein um das Pollen- und Nektarvorkommen in der Pflanze. Die Nahrung finden sie vor allem in heimischen Gewächsen, denn die Pflanzen haben sich auf die heimische Tierwelt eingestellt.


Blüht dein Garten rund ums Jahr?

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Krokus: Erste Nektarquelle im Jahr @ Pixabay.com

Bei der Auswahl von Pflanzen für einen naturnahen Garten spielt aber nicht nur die Nutzbarkeit als Nahrungsquelle eine Rolle, sondern auch das kontinuierliche Nahrungsangebot über das gesamte Jahr. Unter heimischen Pflanzen finden sich Frühlingsblüher, Pflanzen mit einer langen Blüte im Sommer und solche, die erst im Herbst aufblühen. Bei diesem Blühkalender findest du eine schöne Liste mit passenden Pflanzen (Quelle: Honigmacher.de).

Stehen deine Pflanzen am richtigen Standort?

Für jede Pflanze ist ein idealer Platz im Garten vorhanden. Sonnenliebende Stauden haben unter schattigen Bäumen wenig verloren, und schattenliebende Pflanzen kümmern in voller Sonne. Wenn du dann noch auf die Beschaffenheit deines Gartenbodens achtest, zum Beispiel, ob die Erde lehmig oder sandig, feucht oder trocken ist, kannst du deinen  Gartenpflanzen einen guten Start bieten.

Der Phlora-Praxistipp: Pflanze besser in Gruppen, das heißt mehrere Pflanzen einer Sorte an einer Stelle. Der Konkurrenzdruck untereinander ist weniger groß, und die Pflanzen können sich gut entwickeln. Außerdem fallen flächenartige Pflanzungen mehr auf und ­vermitteln einen natürlichen Eindruck.

Ein wichtiger Aspekt in naturnahen Gärten ist die geringe Pflegeleistung bei Themen wie Bewässerung, Düngung und Schnitt. Pflanzen, die standortgerecht stehen, brauchen nur in Hitzeperioden zusätzlich Was­ser. Ansonsten gedeihen sie bei passenden Bodenbedingungen ganz ohne Dünger und an­dere Hilfsstoffe. Lediglich Kompost kann im Frühjahr bei gleichzeitigen Schnittmaßnahmen untergegraben werden.

Ist dein Rasen noch „englisch“?

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Statt einfacher Rasenfläche kannst du eine blühende Wiese säen © Pixabay.com

Haben die Pflanzen in deinem Garten den Eignungstest für das Prädikat „naturnah“ bestanden, schau dir nun die Rasenfläche an. Für die heimische Tierwelt ist der grüne „englische“ Zierrasen eine total wertlose Fläche. Doch auch ein artenarmer Rasen lässt sich wenigstens an einigen Stellen in eine bunte Wiese verwandeln, wenn man nicht düngt und selten mäht. Dann kommen hübsche Pflänzchen wie Schafgarbe, Kamille, Glockenblume oder Wiesenstorchschnabel zum Vorschein. Ganz wichtig dabei ist, dass die Pflanzen blühen und Samen bilden.

Hast du gute Hecken?

Der Lebensraum Hecke ist ein Geschenk für die Tierwelt. Im Naturgarten findest du vor allem freiwachsende Hecken, sprich hier wird nur wenig geschnitten und wenn möglich, keine Formgehölze angepflanzt. Gesucht sind also „gute“ Hecken. Am besten wählst du heimische Sträucher mit Blüten und Beeren oder Nüssen. Sie kommen wieder den Tieren zugute, bieten Futter, Verstecke und Nistmöglichkeit. Nur wenn die Gehölze zu groß werden, wird zur Schere gegriffen (natürlich vor oder nach der Brutzeit).

Wie sieht es mit deinem Recycling aus?

Bei der Gartenpflege fallen immer wieder Materialien an, die normalerweise auf dem Kompost oder im Restmüll landen. So häckselt man Baumschnitt, alte Äste, entsorgt Schnittgut von der Hecke und kompostiert Rasenschnittgut und abgestorbene Pflanzenteile von Stauden und Sommerblumen. Im naturnahen Garten können diese Abfälle zum Teil wiederverwendet werden.

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Einfach mal liegen lassen: Totholz erfreut ganz viele Insekten © Pixabay.com

Aus abgeschnittenen Zweigen entstehen Tot­holz­hecken: Hier werden größere Äste entweder locker übereinander­gelegt oder Hilfspfähle, die senkrecht in die Erde getrieben werden, halten die Reisigbündel an Ort und Stelle. Ganze Zäune können so entstehen. Größere Äste werden anfangs von Flechten und Moosen, später von kleinen krautigen Pflanzen besiedelt. Außerdem bilden sie ideale Verstecke und Rückzugsorte für kleine Tiere. Ebenfalls als Unterschlupf dienen ausgegrabene alte Wurzeln. Hier ziehen holzbewohnende Insekten ein und graben sich Löcher, die wiederum später als Heim von Hummeln und Bienen genutzt werden.

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Schönes Versteck für viele Tiere @Pixabay.com

Für viele Tiere sind auch Laubhaufen und aufgeschichtete Steine ein geeignetes Quartier. Grundsätzlich gilt: Schaffe  Rückzugsorte mit ein wenig „Unordnung“. Es muss nicht alles akkurat gemäht, gestutzt und aufgeräumt sein. Selbst Rasenschnitt und Häckselgut kann zwischen die Stauden auf die Beete oder unter Beerenobst gestreut werden. Es hält den Boden feucht, unterdrückt unerwünschte Wildkräuter und bietet Kleinstlebewesen Raum zum Überleben.

Tipp: Auch wenn du es gerne ordentlich magst: Überlasse einen kleinen Teil in deinem Garten einfach sich selbst.

Sind Tiere willkommen?

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Im Naturgarten sind auch die Raupen gern gesehen © Pixabay.com

Im naturnahen Garten sind nicht nur die hübschen Schmetterlinge gern gesehen, sondern auch die gefräßigen Raupen. Schmetterlinge wachsen erst als Raupen heran und benötigen Futterpflanzen wie Brennnesseln. Später, als Falter, trinken sie Nektar aus Sommerblumen, und zum Winter brauchen sie rissige Baumrinde als Winterquartier. Viele Tiere machen im Laufe des Jahres eine solche Verwandlung durch. Ein Ziel im naturnahen Garten ist es daher, allen Lebensstadien von Tieren gleichermaßen gerecht zu werden.

Ist deine Gestaltung „natürlich“?

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Naturgärten ziehen Schmetterlinge magisch an © Pixabay.com

Wer denkt, im naturnahen Garten sähe es aus wie „Kraut und Rüben“, irrt sich gewaltig. Natürlichkeit ist nicht gleichzusetzen mit Unordnung oder Verwahrlosung. Mit viel Charme lassen sich wunderschöne Gartenbilder kreieren:

  • Flächige Pflanzungen mit heimischen Wildblumen wie Lupinen, Margeriten, Mohn oder Kornblumen lassen an bunte Bauerngärten denken.
  • Eine Wildblumenwiese kann ein Stück vom Rasen einnehmen.
  • Wege lassen sich darin mit dem Rasenmäher ganz einfach frei schneiden.
  • Sie können als Blickachsen auf Bänke oder Sitzplätze zuführen oder auf eine romantische Feuerstelle hin­weisen.
  • Natürliche Materi­alien aus Steinen und Holz ­passen am besten zum naturnahen Garten.
  • Zäune aus Totholz oder lebendiger Weide grenzen Bereiche von einander ab und schaffen ganz lässig Ordnung.
  • Heimische Gehölze und Blumen werden bevorzugt eingesetzt.
  • Bei al­len Pflanzen wird zuerst immer nach dem „Nutzwert“ für die Umwelt gefragt.
  • Hat eine ­Pflanze essbare Früchte oder Samen und lockt ihre Blüte Insekten an? Diese Gewächse können dann genauso den üblichen Gestaltungsregeln unterworfen werden wie groß­blumige Züch­tungen; es spricht eben nichts gegen eine üppig blühende Staudenrabatte mit Wildblumen.

Kommst du ohne Gift aus?

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Beste Waffe gegen Schädlinge: Marienkäfer & Co © Pixabay.com

Für viele Hobbygärtner gehört die chemische Behandlung mit Antipilzmitteln und Insektensprays zum normalen Umgang bei Schädlingsbefall. Ziel beim Gärtnern mit der Natur ist aber, ein natürliches Gleichgewicht zwischen Schädlingen und Nützlingen zu erreichen. Wenn eine Pflanze zum Beispiel von Blattläusen befallen wird, steht ein Heer von kleinen Helfern bereit, um die Läuse zu beseitigen. So vertilgt jede einzelne Larve eines Marienkäfers pro Tag 400 Stück der Schädlinge. Und auch Vögel wie Meisen picken eine befallene Pflanze im Nu wieder frei.

So paradox es klingen mag: Schädliche Insekten sollen ihr Unwesen treiben dürfen, denn die Nützlinge benötigen diese Schädlinge als Nahrungsquelle. Die große Kunst liegt jetzt im Abwartenkönnen, dass die hilfreichen Nützlinge auch wirklich ihr Werk verrichten.

Fazit: Ist dein Garten okay?

Nun, welche Gärtnerin bist du? Ist dein Garten eher fürs Auge angelegt, oder entspricht es schon den Kategorien von naturnaher Gestaltung? Natürlich wollen wir dich gerne dazu überreden, mehr für die Natur zu tun. Dein Garten belohnt dich mit Vielfalt und jeder Menge Leben. Ganz praktisch dabei: Der Arbeitsaufwand im naturnahen Garten ist geringer als beim konventionellen Gärtnern. Du hast also mehr Zeit für schöne Dinge, und das Ganze sieht auch noch super aus.

Du findest das spannend? Wir werden hier in nächster Zeit noch mehr Artikel dazu veröffentlichen. Besuche phlora.de oder folge uns bei Facebook oder Twitter. Über viele Aspekte findest du auch bereits Artikel bei uns. Falls dich etwas Spezielles interessiert und du es nicht über die Suchfunktion findest, kannst du uns auch gerne Fragen stellen! Für alle, die sich mehr mit dem Naturgarten-Prinzip auseinander setzen möchten, gibt es außerdem den Verein Naturgarten e.V. Unter www.naturgarten.org findest du viele Infos und Tipps, Bilder und gute Texte.

 

 

 

 

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Eine Antwort auf Ist dein Garten wirklich gut für die Umwelt?

  1. Lilli 3. Dezember 2015 at 09:40 #

    Toller und wichtiger Artikel! Vor allem kann man einen Garten wunderbar gestalten, dass er für die Umwelt wertvoll ist UND schön für uns Menschen aussieht. Man muss sich nur mit den Pflanzen richtig gut auskennen.
    HIlfreich ist auch, wenn im Herbst nicht alles kahl geschnitten wird. Das sieht dann nicht nur besser aus, sondern nutzt vielen Tieren als Unterschlupf. Und im Frühjahr ist noch genügend Zeit zur Schere zu greifen ;)

    viele Grüße
    Lilli

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