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Das Apfelmuseum Pomarium Anglicum

Ganz im Norden der Republik hat Meinolf Hammerschmidt ein ganz besonderes Museum aufgebaut: einen Obstgarten, in dem er hunderte lokaler Apfelsorten bewahrt. Ein großer Erfolg, denn immer mehr Besucher kommen zum Staunen und Probieren. Viele lassen ihre eigenen Äpfel bestimmen. 

Willkommen im Apfelmuseum | Foto: phlora.de

Willkommen im Apfelmuseum | Foto: phlora.de

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Der Bewahrer

Im kleinen Örtchen Sörup, südöstlich von Flensburg, sitzt der ehemalige Obstbauer Meinolf Hammerschmidt in seinem „Obstmuseum Pomarium Anglicum“ und schneidet für seine Besucher Äpfel in kleine Scheiben. Schon bald schwirren in deren Kopf Namen umher wie „Schöner aus Herrnhut“, „Inge von Klixbüll“, „Gelber Richard“, „Goldrenette Freiherr von Berlepsch“ oder „Großherzog Friedrich von Baden“. Auch der „Finkenwerder Herbstprinz“ oder der „Damendorfer Streifling“ sind mit von der Partie. Wer den großen Apfelgarten von Meinolf Hammerschmidt besucht, sollte Lust auf Obst mitbringen. Rund 750 Apfelsorten, alle mit klingenden Namen und die meisten davon aus der Region, hat der Apfelspezialist hier angepflanzt.

Obstarchivar Meinolf Hammerschmidt | Foto: phlora.de

Obstarchivar Meinolf Hammerschmidt in seinem Pomarium Anglicum | Foto: phlora.de

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Bewegtes Leben

Seit nunmehr drei Jahrzehnten sammelt Meinolf Hammerschmidt historische Apfelsorten. Dabei hatte der gebürtige Westfale zunächst eine ganz andere Richtung eingeschlagen. Nach seiner Ausbildung zum Gärtner ging Hammerschmidt in den 1960er Jahren als einer der ersten deutschen Entwicklungshelfer nach Afrika. Bei einem Ananasprojekt an der Elfenbeinküste lernte Meinolf Hammerschmidt seine Frau kennen. Gemeinsam übernahmen sie später ihren väterlichen Hof in Sörup. Aber nur Äpfel zu kultivieren, war Hammerschmidt zu wenig. Er wurde zudem Lehrer, später auch Dozent an der Uni Flensburg. Und bis heute berät er im Auftrag des Entwicklungsministeriums landwirtschaftliche Projekte in Afrika und Kasachstan.

Zu jedem Apfel gibt es eine Geschichte. | Foto: phlora.de

Zu jedem Apfel gibt es eine Geschichte. | Foto: phlora.de

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Zwei Bäume pro Sorte

Meinolf Hammerschmidt hat auf seinem Land 750 regionale Apfelsorten gepflanzt. Jeweils zwei Bäume, falls einer mal krank wird. In seinem Betrieb, den er 2014 an einen Nachfolger übergeben hat, konnte Hammerschmidt die Vermehrung und Verteilung der Sorten organisieren. Von jeder Sorte stehen heute hunderte von Bäumchen in ganz Deutschland.

Bei seiner Suche nach historischen Sorten hält Meinolf Hammerschmidt in ganz Norddeutschland die Augen auf. Bei vielen muss er tief in die Vergangenheit tauchen, um ihnen auf die Spur zu kommen. Alte Archive hat er durchwühlt, sich unzählige Geschichten von Baumbesitzern angehört, französische Pflanzlisten aus dem Barock übersetzt. „Ich habe schon in den 1980er Jahren massenhaft alte Bestimmungsbücher auf Flohmärkten gekauft, die sind heute unbezahlbar“, erzählt der Pomologe. Über die wichtigsten Sorten hat er sogar ein Buch geschrieben.

Viele Apfelsorten wird man nie auf Wochenmärkten finden. | Foto: phlora.de

Viele Apfelsorten wird man nie auf Wochenmärkten finden. | Foto: phlora.de

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Das Museum

Während der Erntezeit kommen jedes Wochenende Tausende in das „Pomarium Anglicum“, den angelnschen Apfelgarten. Viele bringen dann Äpfel aus dem eigenen Garten mit und lassen sich die Sorte bestimmen. Ein Besuch, der wirklich lohnt!

Das Obstmuseum ist von Mai bis Oktober geöffnet. Gruppenführungen mit anschließendem Obstbuffet sind möglich. Neben einer großen Obstbaumwiese lassen sich in verschiedenen Themengärten wichtige Stationen der Apfelgeschichte erkunden.

Obstmuseum Pomarium Anglicum
Waldweg 2
24966 Sörup, Ortsteil Winderatt
www.alte-obstsorten.de

Wer eine der alten Apfelsorten aus dem Obstmuseum selbst anpflanzen möchte, erhält entsprechende Bäume über die Baumschule Ceban.
www.baumschule-ceban.com

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KLeine Apfelgalerie im Pomarium Anglicum | Foto: phlora.de

Kleine Apfelgalerie im Pomarium Anglicum | Foto: phlora.de

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Warum es so viele Apfelsorten gibt:
Jeder Kern kreiert eine neue Sorte

Der Apfel ist ein flüchtiges Wesen. Denn aus jedem Kern wächst eine neue Sorte. Das liegt an der Art, wie die Apfelblüte befruchtet wird: Insekten tragen die Pollen fremder Bäume heran und sorgen so für die Vermehrung. In Kern sind dann die Eigenschaften beider Eltern gemischt – eine neue Sorte ist angelegt. Schon vor mehreren tausend Jahren haben Menschen dieses Prinzip verstanden und herausgefunden, dass es einen Trick gibt, besonders gelungene Sorten zu bewahren. Man schneidet einfach einen frischen Ast ab und pflanzt ihn auf den Stamm eines anderen Bäumchens. Aus dieser Kombination von „Edelreiser“ und „Unterlage“ wächst wieder ein Baum der gewünschten Sorte.

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Hinweis: Eine längere Version dieses Textes erschien in dem neuen, sehr empfehlenswerten Kiosk-Magazin Selfmade Living, Ausgabe 1/2015.

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