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Äpfel voller Würmer – warum?

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Apfelwickler: Harmloser Falter?
© Wikipedia | gemeinfrei

Bei der Apfelernte kannst du fiese Überraschungen erleben. Wenn der Apfel verwurmt ist oder du in ein verfaultes Kerngehäuse beisst, hat wahrscheinlich ein kleiner Falter zugeschlagen, nämlich der Apfelwickler (Cydia pomonella). Die Schmetterlinge sind 15 bis 20 mm groß und unauffällig braun-rindenfarbend.

Befall mehrmals im Jahr

Gleich nach der Paarung legt ein Apfelwicklerweibchen bis zu 80  Eier einzeln an die Früchte oder Blätter. Die geschlüpften Raupen bohren sich in die jungen Früchte und dringen meist bis zum Kerngehäuse vor. Ein Befall ist äußerlich nur durch die Kotkrümel am Bohrloch zu erkennen. Vier Wochen später verlassen die Raupen ihre Nahrungsquelle, um sich zu verpuppen. Mithilfe eines Seiden­fadens gelangen sie zum Stamm und spinnen sich dort hinter Borkenschuppen in einem Kokon ein.

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Unschön: Larve mit Ekel-Faktor
© Wikipedia | Joachim K. Löckener

In warmen Jahren kommt es noch im selben Jahr zur Verpuppung und zum Schlupf der zweiten Generation, mit Falterflug und anschließender Eiablage ab Anfang August. Die Raupen der zweiten Generation schädigen nun besonders die reifenden Früchte. Die Folge sind vorzeitiger Fruchtfall und eben reife Äpfel mit Würmern.


Mit den Tricks der Natur

  • Eine Möglichkeit besteht darin, die Faltermännchen mit Pheromonfallen zu fangen. Der synthetisch hergestellte Sexuallockstoff der Weibchen ist in „Dispensern“ gespeichert, die in Trichterfallen befestigt werden. Mitte Mai bis Mitte August sollten die Fallen in die Baumkronen gehängt werden. Es reicht eine Falle pro Baum. Alle sechs Wochen werden sie mit einem neuen Lockstoffdispenser bestückt.
  • Eine zweite Möglichkeit besteht darin, Trichogramma-Schlupfwespen auf die Eigelege anzusetzen. Die nur 0,4 mm großen Nützlinge sind Eiparasiten, die ihre eigenen Eier in die der ­Apfelwickler ablegen. Die Larven ernähren sich während ihrer Entwicklung vom Inhalt des Wirtseies und verpuppen sich darin. Etwa zwei bis drei Wochen später schlüpft aus den ­Schädlingseiern eine neue Generation von Nützlingen. In einer Vegetationsperiode können sich auf diese Weise fünf bis acht Generationen von Schlupfwespen entwickeln. Ab Mitte Mai werden eibestückte Karten mehrmals im Abstand von drei Wochen ausgebracht.

Der Flugbeginn, die Eiablage und das Schlüpfen der Larven sind stark von der Witterung abhängig. ­Pheromonfallen dienen zur Kontrolle der Flugaktivität des Apfelwicklers als wichtige Information für den Schlupfwespeneinsatz. Sobald sich dort die ersten Falter finden, werden die Trichogramma-Karten ausgebracht. Schon ein bis zwei Tage später schlüpfen die ersten Tiere, weitere folgen über einen Zeitraum von bis zu 20 Tagen.

Jetzt die Winterlarven bekämpfen

  • Eine dritte Möglichkeit, den Apfelwickler zu bekämpfen, bietet sich nun Ende September: Die am Stamm eingesponnenen Winterlarven des Apfelwicklers werden mit räuberischen Nematoden der Art Steinernema feltiae behandelt. Diese natürlichen Feinde sind winzige Fadenwürmer, die durch ihren gezielten Einsatz 70–90 Prozent der Apfelwicklerlarven abtöten und damit die Eiablage der Apfelwickler im folgenden Frühjahr um 50–70 Prozent reduzieren. Ab Ende September werden die Nematoden im Spritz- oder Streichverfahren an den Stamm aufgebracht. Die Temperaturen sollten nach der Behandlung für einige Stunden 8 °C nicht unterschreiten. Günstig sind feuchte Bedingungen. Die Verwendung des beigefügten Haftmittels erleichtert die Beweglichkeit der Nematoden und verbessert die Wirtsfindung. Haben die Nematoden die Apfelwicklerlarven erreicht, dringen sie in diese ein und töten sie mithilfe eines spezifischen Bakteriums ab.

Pheromonfallen, Schlupfwespen und Nematoden gehören zu den Waffen des biologischen Pflanzenschutzes.

Unser Pflanzenschutz-Experte Dr. Helmut Haardt (re-natur) beschäftigt sich seit Jahren mit Nützlingen, den Gegenspielern von Schädlingen. Linktipp: Im Schleswig-Holstein Magazin kam letztens ein kurzer Film zu Helmut Haardts Arbeit und schöne Nahaufnahmen von Schlupfwespen, die aus mummifizierten Blattläusen geschlüpft sind.

 

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